Betriebsvorschriften

Reifen stellen die einzige Verbindung zwischen Fahrzeug und Straße her. Bei allen Einsatzarten hängt die Sicherheit von einer relativ kleinen Kontaktfläche mit dem Boden ab. Es ist daher von größter Wichtigkeit die Reifen ständig in gutem Zustand zu halten und sobald es nötig wird eine geeignete Ersatzbereifung zu montieren.
Die Reifen Ihres Neufahrzeuges sind vom Fahrzeug- und Reifenhersteller ausgewählt worden, wobei alle Aspekte in Bezug auf deren Funktionsfähigkeit berücksichtigt wurden. Ein Wechsel in der Dimension, der Reifenkonstruktion, der Tragfähigkeit oder der zulässigen Geschwindigkeit kann nur nach Befragung eines Fachmanns vorgenommen werden. Der Hersteller ist für eine Veränderung seines Produktes durch Dritte nicht verantwortlich.


Montage und Demontage von Reifen

Mit diesen Arbeiten muss ein Fachmann betraut werden, der über die nötigen Geräte verfügt und eine entsprechende Ausbildung hat. Eine fehlerhaft ausgeführte Reifenmontage kann eine Beschädigung der Reifen, Schläuche oder Räder zur Folge haben und zu einem Unfall führen.


Reifenfülldruck

Die Einhaltung des richtigen Reifenfülldrucks ist von größter Wichtigkeit für die Fahrsicherheit. Dieser Fülldruck wird anhand von Fahrversuchen, für ein Optimum an Fahrsicherheit und Handlung, vom jeweiligen Fahrzeughersteller ermittelt. Unterfülldruck führt zu einer Temperaturerhöhung im Reifen. Fahren mit einem Fülldruck, der unterhalb der vom Fahrzeug- oder Reifenhersteller empfohlenen Werte liegt, kann eine Schädigung des Reifen nach sich ziehen. Diese Schädigung bleibt und kann im weiteren Gebrauch zur vollständigen Zerstörung bzw. Platzen des Reifens mit plötzlichem Plattrollen führen. Die Folgen des Fahrens mit Unterfülldruck treten nicht zwangsläufig unmittelbar im Anschluss daran zutage.
Sie können sogar erst einige Zeit nach der Neueinstellung des richtigen Fülldrucks eintreten. Die Fülldrücke sollten regelmäßig alle zwei Wochen überprüft werden, einschließlich Reserverad. Diese Fülldruckkontrolle muss bei kalten Reifen durchgeführt werden (außer bei Reifenfüllanlagen mit Temperaturkompensation), denn der Fülldruck steigt durch die Erwärmung des Reifens während des Einsatzes. Niemals Luft ablassen, wenn die Reifen noch warm sind! Die am kalten Reifen gemessenen Fülldrücke müssen immer mit den vom Fahrzeug- bzw. Reifenhersteller für das Fahrzeug empfohlenen Werten übereinstimmen.
Berücksichtigen Sie bitte spezielle Einsatzbedingungen wie z.B. Fahrzeuggeschwindigkeit und Belastung. Eine Ventilkappe ist unbedingt nötig, um das Innere des Ventils zu schützen und für vollständige Dichtigkeit zu sorgen.


Tragfähigkeit und Höchstgeschwindigkeit

Die Reifen tragen eine Betriebskennung, bestehend aus Tragfähigkeitsindex (Zahl) und Geschwindigkeitssymbol (Buchstabe) z.B. 82 T. Diese Kennzeichnung bedeutet, dass der Reifen für eine Tragfähigkeit von 475 kg bei einer Höchstgeschwindigkeit von 190 km/h zugelassen ist. Die in Erstausrüstung montierten Reifen entsprechen den maximalen Anforderungen von Achslast und Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeuges. Um sicher zu gehen, dass die für den Ersatz vorgesehenen Reifen geeignet sind und den gesetzlich Bestimmungen entsprechen, sollte ein Fachmann herangezogen werden.
Bei Winterreifen "M + S" darf die zulässige Höchstgeschwindigkeit des Reifens unter derjenigen des Fahrzeugs liegen, die Fahrgeschwindigkeit muss dann aber an die geringere Geschwindigkeitsgrenze der Reifen angepasst und im Blickfeld des Fahrers kenntlich gemacht werden. Bei M + S-Reifen und niedrigen Außentemperaturen sollte der Fülldruck um 0,2bar erhöht werden. Der Einsatz von Reifen mit Spikes richtet sich nach den jeweiligen gesetzlichen Vorschriften.


Pflege von Reifen

Reifen im Einsatz müssen regelmäßig überprüft werden, wobei besonderes Augenmerk auf folgendes gerichtet werden muss:

  • die Lauffläche, um anormalen Abrieb, Schnittverletzungen, Deformationen oder Fremdkörper (Splitt, Nägel etc.) zu erkennen.
  • die Flanken, um Schnittverletzungen, Risse, Verletzungen durch Anprall (Schlaglöcher, Bordsteine etc.), Abrieb durch Scheuern oder anormale Verformungen festzustellen.
  • Der Grund für anormales Fahrverhalten, wie starke Vibrationen oder Ziehen des Fahrzeuges nach rechts bzw. links sollte unverzüglich überprüft werden.
  • Bei Druckverlust im Reifen muss unbedingt sofort angehalten werden. Der Reifen muss demontiert und die Ursache des Druckverlustes ermittelt und ggf. beseitigt werden.
  • Bei jeder Unregelmäßigkeit soll ein Fachmann hinzugezogen werden, der nach Untersuchung des Reifens beurteilt, ob eine Reparatur notwendig bzw. durchführbar ist.
  • Reparaturen dürfen nur von einem Fachmann ausgeführt werden, der dafür die volle Verantwortung übernimmt.
  • Handelt es sich um Tubeless - Reifen, wird dringend empfohlen, bei jeder Überprüfung und vor jeder Reparatur das Reifeninnere zu untersuchen, um sich zu vergewissern, dass dort keine Beschädigung vorliegt.


Ersatz von Reifen

Die Profiltiefe von Reifen muss regelmäßig überprüft werden. Je geringer die Profiltiefe ist, desto höher ist die Schleudergefahr auf nasser Fahrbahn (Aquaplaning). Müssen zwei Reifen ersetzt werden, so gehören die neuen bzw. die weniger abgefahrenen Reifen aus Gründen des Fahrverhaltens auf die Hinterachse. Werden gebrauchte Reifen montiert, so sollte unbedingt deren Überprüfung durch einen Fachmann stattgefunden haben.
Neue Reifen haben noch nicht die optimale Haftfähigkeit. Sie müssen daher ca. 100 km mit mäßiger Geschwindigkeit und entsprechend vorsichtiger Fahrweise "eingefahren" werden.


Mischmontagen

Die einheitliche Ausrüstung mit vier gleichen Reifentypen ist anzustreben, bzw. in einigen Fällen notwendig. Sollte dennoch eine Mischmontage vorgenommen werden, sind für diesen Fall nachstehende Regeln zu beachten. Mit Ausnahme kurzzeitiger Verwendung als Reserverad im Pannenfall

  • müssen auf einer Achse immer zwei Reifen gleicher Geschwindigkeitskategorie und gleichen Typs (Profilausführung) verwendet werden,
  • sind Mischmontagen von Radial- und Diagonalreifen in Deutschland verboten,
  • Energy Reifen dürfen auf einer Achse mit Standardreifen nicht gemischt werden,
  • Pilot Sport, Pilot Primacy, Pilot Exalto, HXMXV 3A und HXMXM sollten nur 4fach montiert werden. Eine Mischmontage mit anderen Reifentypen ist nur mit Zustimmung des Reifenherstellers möglich.


Fabrikatsbindung

Für alle genormten Reifen mit Betriebskennung (Load Index und Speed Symbol) ist seit März 2000 die Fabrikatsbindung aufgehoben worden und nur noch als Empfehlung zu sehen. Bei ZR-Reifen ist die Genehmigung des jeweiligen Reifenherstellers erforderlich und ggf. ein Nachtrag in den Fahrzeugpapieren notwendig.

Wohnwagen und Anhänger

Ab 10/98 gilt für Gespanne eine neue Richtlinie bezüglich der Höchstgeschwindigkeit auf Kraftfahrtstraßen und Autobahnen. So dürfen Wohnwagen und Gespanne mit einem Zugfahrzeug von bis zu 3,5 t zulässigem Gesamtgewicht, die bestimmte Auflagen erfüllen, 100 km/h schnell fahren (siehe Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt vom 21.10.98).

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